Als mir meine liebe Freundin Katja Hammerschmidt von ihrer Blog-Parade zum Thema „Was ich von meinem Tier gelernt habe“ erzählt hat, musste ich sofort an all die Dinge denken, die ich bereits von meinen Tieren und besonders von meinen Herzenspferden lernen durfte. Ja, da gibt es so einiges, was ich lernen durfte. Und auch immer noch lerne, denn wenn wir unseren Pferden zuhören, dann lernen wir jeden einzelnen Tag.
Deshalb kam auch gleich der Gedanke auf: Wie soll das nur in einen Blog-Artikel passen? Tut es bei drei großen Lehrmeistern auch nicht, weshalb es wohl eher auf drei Blog-Artikel hinauslaufen wird. Aber starten wir einfach chronologisch. In diesem Artikel erzähle ich dir, was ich alles durch mein allererstes Herzenspferd Thea lernen durfte.
Inhalt
>> Wenn man für einander bestimmt ist, dann findet man zusammen
>> Was ich über meinen Selbstwert gelernt habe
>> Warum die Liebe das Wichtigste ist
>> Der Tod ist nicht das Ende
Wenn man für einander bestimmt ist, dann findet man zusammen
Thea ist auf etwas ungewöhnliche Weise und zu einem augenscheinlich schlechten Zeitpunkt in mein Leben getreten. Ich war zu dem Zeitpunkt arbeitslos und wir wissen alle, wie viel so ein Pferd kostet. Auch damals vor 11 Jahren war es nicht gerade günstig. Aber was sollte ich machen? Ich hatte mich schon vor Monaten in sie verliebt. Nämlich zu dem Zeitpunkt, als sie vom Hänger stieg und bei uns im Stall (wo ich mich um das Pferd einer Freundin kümmerte) einzog.
Eine Mutter hatte diese wunderschöne Traber-Stute für sich und ihre Tochter gekauft. Ich erinnere mich heute noch an diesen Moment, als ich sie das erste Mal sah. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich sah ihr Gesicht, sah diese starke Kämpferin in ihr und mir war sofort klar: Dieses Pferd wird nicht „funktionieren“. Ganz im Gegenteil, wenn man ihr nicht auf Augenhöhe begegnet, dann wird sie gegen den Menschen kämpfen.
So war es schlussendlich auch. Sie widersetzte sich allem, was die Menschen von ihr wollten. Der krönende Abschluss war dann der Moment, als Thea nach der Horsemanship-Frau trat und nur knapp den Kopf verfehlte.
Kurz darauf kamen die Besitzerin und ich an einem gemeinsamen Bautag im Stall ins Gespräch. Sie wusste wie sehr ich Thea mochte. Und als sie nebenbei so etwas sagte wie: „Wir hätten uns lieber einen ruhigen Isländer kaufen sollen.“ Antwortete ich spontan mit: „Macht das doch, dann nehm ich Thea.“ Woraufhin die Besitzerin meinte: „Ja, darüber hab ich auch schon nachgedacht.“ Danach war unser Gespräch zu Ende und ich grübelte, ob sie das wirklich ernst gemeint hatte…
Zwei Tage später kam dann eine WhatsApp, ob ich das ernst gemeint habe, dass ich Thea nehmen würde. Denn wenn dem so ist, würden sie das gerne machen. Was war ich perplex und gleichzeitig happy. Ich schrieb nur: Ja. Und auf einmal hatte ich ein Pferd – mein Traumpferd.
Rückblickend war das, dass allererste Learning unserer gemeinsamen Reise. Wenn zwei Seelen zusammengehören, finden sie auch irgendwie zusammen. Der Schlüssel ist loslassen. Ich habe mir damals zwar immer mal wieder gewünscht, dass sie „meine“ wäre aber gleichzeitig hatte ich keine Idee, wie es dazu kommen sollte. Also habe ich losgelassen und siehe da auf einmal gehörten wir offiziell zusammen. Ich habe dann übrigens auch schnell einen guten Job gefunden – nur falls du dich wunderst, wie es damit weiter ging.
Mein Selbstwert
Thea war eine Kämpferin durch und durch. Sie wusste ganz genau was sie wollte und was nicht. Zum Glück war ich damals schon an dem Punkt Pferde nicht mehr als Befehlsempfänger zu sehen, sondern als Freunde, denen man auf Augenhöhe begegnet und von denen man viel lernen kann. Und ich kann dir sagen, mit so einem starken Pferd an der Seite lernt man verdammt viel und schnell. Unter anderem musste ich lernen für mich selbst einzustehen und FÜR MICH Grenzen zu setzen, nicht gegen sie. Denn ging etwas gegen sie, ging Thea in den Kampfmodus. Du erinnerst dich an die Situation mit der Horsemanship-Lady?! Bei uns wurde es zum Glück nie gefährlich, da ich von Anfang an versucht habe ihr auf Augenhöhe zu begegnen und ihr zugehört habe. Aber das heißt nicht, dass ich nicht auch die ein oder andere schmerzhafte Lernerfahrung machen musste. Von einer möchte ich dir unbedingt berichten, denn sie brachte einen ziemlich großen Aha-Moment mit sich.
Es war der Moment als Thea mir ziemlich doll in den Bauch gebissen hat. Ja, es ist blau geworden und tat verdammt weh, aber ich hatte das gebraucht. Es war nämlich so, dass wir zuvor auf dem Platz waren und dort aufgrund meiner Körpersprache die ein oder andere Misskommunikation hatten. Die gemeinsame Zeit auf dem Platz war somit keine so schöne Erfahrung für sie, was sie auch deutlich aber freundlich gezeigt hatte. Wichtig: das war nicht der Grund für den Biss. Ich hatte daraufhin ein unheimlich schlechtes Gewissen, verurteilte mich dafür etwas falsch gemacht zu haben und ging damit zu Thea. Ich wollte sie kraulen (was sie eigentlich immer sehr genoss) und wollte, dass sie mir damit zeigt, dass wir okay sind. Ich wollte den Beweis, dass sie mich noch lieb hat. Anstatt sich kraulen zu lassen, hat sie mich dann gebissen. Autsch! Das tat weh und hat gesessen. Gleichzeitig hat es mich dazu gebracht aus meinem Film auszusteigen. Ich habe reflektiert, was da eigentlich gerade in mir vorgeht, welche Gefühle da sind (eine alte Kindheitswunde) und mich dann selbst gehalten. Denn keiner im Außen, sollte mir sagen müssen, dass ich gut bin so wie ich bin. Dass ich Fehler machen darf. Nachdem diese Gefühle abgeflossen und verarbeitet waren, fühlte ich mich freier. Ich war wieder bei mir angekommen und ging daraufhin voller Dankbarkeit für diese Lektion noch einmal zu Thea. Es sah aus, als würde sie lächeln, und so genossen wir dann noch eine lange Krauleinheit.
Viele von uns haben diese Selbstwertwunde. Das Gefühl nicht gut genug zu sein. Das Gefühl keine Fehler machen zu dürfen. Entstanden durch traumatische Erfahrungen in der Kindheit. Nicht weil unsere Eltern zwangsweise böse Menschen waren, sondern weil sie es nicht besser wussten und konnten. Thea hatte mir mit ihrem Verhalten gezeigt, wie tief diese Wunde noch war und mir damit auch geholfen sie ein Stück weiter zu heilen.
Die Liebe ist das Wichtigste
Ich glaube dir ist mittlerweile klar, wie sehr ich Thea geliebt habe. Tatsächlich war es andersherum genauso: Thea hat mich sehr geliebt. Und so durfte ich auch immer wieder von ihr lernen, dass es für sie keiner besser machen konnte, als ich. Dass ich für sie niemals perfekt sein musste. Dass das Wichtigste die Liebe zwischen uns ist. Denn ja, es gab die Momente, in denen ich gezweifelt habe, ob ich es jemals schaffen würde, ihr wirklich auf Augenhöhe zu begegnen. In denen ich gezweifelt habe, ob ich es jemals lerne, meine Körpersprache zu beherrschen… Es gab die Momente, wo ich dachte, jemand anderes könnte es besser. Doch waren die dank Thea nicht von langer Dauer. Sie hat immer sehr klar kommuniziert, dass niemand anderes (egal wie kompetent derjenige war), etwas mit ihr machen sollte.
Die Liebe ist das Wichtigste in einer Beziehung. Die Liebe verzeiht „Fehler“. Die Liebe lässt uns durchhalten, wenn wir zweifeln. Deshalb steht die Liebe auch an erster Stelle in meinem Namen. Ohne die Liebe ist eine echte Herzensfreundschaft nicht möglich.
Wenn eine Seele ihre Aufgabe erfüllt hat, dann ist es Zeit zu gehen
Thea war nur 6 Jahre lang auf dieser Erde, 2 ½ davon an meiner Seite. Als ich im Urlaub in Thailand war, kam der Anruf von meiner Freundin: „Jenna, Thea hat eine Kolik. Der Tierarzt war da und sie muss in die Klinik. Sie muss operiert werden.“ Für mich einer der schlimmsten Momente meines Lebens. Ich setzte sofort Himmel und Hölle in Bewegung, um sofort nach Hause zu kommen. Auch wenn ich es geschafft habe im nächstmöglichen Flieger zu sitzen, brauchte es knapp 24 Stunden bis ich in der Klinik war. Ich erinnere mich noch an den Moment, als ich sie wiedersah. Sie wurde gerade untersucht und sie sah so unfassbar fertig aus, dass ich sie kaum erkannt habe. Aber die Erleichterung bei uns beiden war riesig. Die OP war so weit gut verlaufen und ich verbrachte viele Stunden mit ihr in der Box. Ich war einfach bei ihr. Ich durfte sogar bis weit über die Besuchszeit bleiben, wofür ich der Klinik wirklich dankbar bin. Tatsächlich glaube ich sogar, dass sie manchmal ganz vergessen haben, dass ich noch da war. Zumindest schauten sie immer überrascht, wenn sie an der Box vorbeigingen und mich entdeckten. Gegen 21 Uhr sollte ich dann aber gehen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich vor Ort geschlafen. Aber da wieder Darmgeräusche zu hören waren, fuhr ich beruhigt nach Hause. Man sagte mir, dass man nur anrufen würde, wenn sich etwas verschlechtert. Ansonsten würden wir in Ruhe am Morgen sprechen.
Mitten in der Nacht schreckte ich auf, fest davon überzeugt, dass mein Telefon geklingelt hat. Ich schaute auf mein Handy aber da war nichts. Ich versuchte mich zu beruhigen, denn kein Anruf war doch eigentlich etwas Gutes, und so schlief ich nach einer Weile wieder ein. Am nächsten Morgen kam dann der Anruf. Die Klinik teilte mir mit, dass Thea in der Nacht verstorben war. Sie hatte sich genau das Zeitfenster ausgesucht, in dem keiner da war. Typisch Thea halt. Und es war genau das Zeitfenster, in dem ich wach geworden war …
Für mich brach in dem Moment eine Welt zusammen. Ich konnte tagelang nur noch weinen. Wusste nicht wie dieser Schmerz je vorübergehen sollte. Prinzipiell hatte ich damals schon Frieden mit dem Tod geschlossen, zumindest wenn man im Alter oder nach langer Krankheit stirbt, aber sie war doch noch so jung. Sie hatte ihr ganzes Leben noch vor sich. Ich dachte, wir hätten noch so viel Zeit zusammen. Auf einmal war sie weg… So kam es mir zumindest vor, bis zu diesem einen ganz besonderen Tag. Ich weiß gar nicht mehr wie viele Tage nach ihrem Tod vergangen waren, aber ich erinnere mich noch sehr genau an diesen einen Moment als ich sie noch einmal sah. Es war ein sonniger Tag und ich äppelte gerade ab, als mein Blick rüber zu unserer großen Wiese schweifte. Da stand sie und schaute mich an. In diesem Moment breitete sich ein tiefer Frieden in mir aus. Eine ganz besondere Ruhe und auf einmal wusste ich, dass alles gut wird. Dass alles genau so richtig ist. Dass Thea ihre Aufgabe hier auf Erden erfüllt hatte. Auch heute spüre ich noch diesen tiefen Frieden in mir, wenn ich daran denke.
Heute weiß ich so viel mehr über Seelen als damals. Damals habe ich nicht mal an Tierkommunikation geglaubt, dachte eigentlich, das wäre Humbug. Aber in diesem Moment hatte ich 0,0 % Zweifel, dass Thea noch mal da war, um mir zu zeigen, dass alles gut ist, so wie es ist.
Das heißt natürlich nicht, dass ich sie nicht vermissen würde. Oh ja, das tue ich. Aber ich weiß auch, dass sie nicht weg ist. Sie ist da und passt auf mich auf. Und was soll ich sagen ein Teil ihrer Seele hat mich hier auf Erden auch nochmal gefunden. Vielleicht waren doch noch nicht alle Aufgaben erfüllt… Aber die Geschichte werde ich dir in einem anderen Blog-Artikel erzählen.
Ich bin so dankbar für alles, was ich von Thea lernen durfte, und auch dafür, dass sie mir ziemlich schnell einen weiteren Lehrmeister geschickt hat.
Wir können einfach so viel von unseren Pferden lernen. Besonders wenn wir bereit sind, ihnen wirklich zuzuhören, wenn wir ihnen erlauben zu reden.
Wenn du auch von deinem Pferd lernen möchtest und dir Unterstützung dabei wünschst, dann lass uns doch mal sprechen. Du kannst dir hier ganz einfach einen kostenlosen und unverbindlichen Kennenlern-Call buchen.
Wenn du noch mehr Geschichten darüber lesen möchtest, was Menschen von ihren Tieren gelernt haben, dann schau doch mal bei Katjas Blog-Parade vorbei. Dort findest du noch weitere inspirierende und berührende Geschichten.
One Comment
Katja Hammerschmidt
Liebe Jenna, das Warten hat sich gelohnt. Ich freu mich sehr, dass Du den Beitrag über Thea noch geschrieben hast, so dass er meine Blogparade bereichern kann.
Mich berührt der Gedanke, dass zwei Seelen, die zusammengehören, sich auch irgendwie zusammenfinden. Darauf dürfen wir vertrauen.
Bei meiner Blogparade sind unglaubliche 17 Beiträge zusammengekommen. Die Zusammenstellung der Beiträge ist inzwischen online. Schau doch mal rein https://www.katjahammerschmidt.de/zusammenfassung-von-tieren-gelernt
Ganz liebe Grüße, Katja